Emil Sjögren (1853-1918)

Sechs Lieder aus Julius Wolff´s Tannhäuser

opus 12

1. Du schaust mich an mit stummen Fragen
2. Jahrlang möcht' ich so Dich halten
3. Wie soll ich's bergen, wie soll ich's tragen
4. Hab' ein Röslein Dir gebrochen
5. Vor meinem Auge wird es klar
6. Ich möchte schweben über Thal und Hügel

  • Year of composition: 1884
  • Work category: Voice and piano
  • Text author: Julius Wolff
  • Dedication: An Comtesse Deliane
  • Duration: Approx. 20-25 min

Examples of printed editions

• Abraham Lundquist, Stockholm
• Samlade sånger, FST 1949

  • Location autograph: Musik- och teaterbiblioteket

Examples of recordings

Bluebell of Sweden, LP
Nicolai Gedda, tenor

Description of work

1. Andantino A-flat major 4/4 (C)
2. Allegretto con anima A-flat major 4/4 (C)
3. Con passione F minor 6/8, 4/4 (C)
4. Allegretto semplice F major 2/4
5. Con moto D-flat major 3/4
6. Non troppo presto G-flat major, A major 4/4 (C)


Libretto/text

1. Du schaust mich an mit stummen Fragen, In Zweifeln sinnest du und wägst, Ob du's verschweigen sollst, ob sagen, Was du noch tief im Herzen trägst. Um deine Lippen seh' ich's schweben, Daß ein Geheimnis darauf ruht, Wie deut' ich anders mir dein Beben, Wenn Seufzer deinen Busen heben, Und deiner Wangen helle Glut?

Wenn wir im Waldesdunkel stehen, Eins an des Andern Brust geschmiegt, Und deines Atems rasches Wehen Mich wonneschauernd überfliegt, Dann möcht' ich ewig dich nicht lassen, Eins sein mit dir, durch nichts getrennt. O sage mir, wie soll ich's fassen, Was sehnsuchtsvoll dann ohne Maßen Glühheiß mir in der Seele brennt?

Du schaust mich an mit stummen Fragen, usw.

2. Jahrlang möcht' ich so Dich halten, So von Dir umschlungen sein, Deiner Minne heimlich Walten Strömet mächtig auf mich ein.

Über uns die Wipfel rauschen, Vöglein hüpft von Ast zu Ast, Und die wilden Rosen lauschen, Was Du mir zu sagen hast.

Ach! sie hören wenig Worte, Wenn wir uns in Armen ruhn, An dem waldverschwiegnen Orte Giebt es Holderes zu thun.

Räthsel blühn auf Deinem Munde, Und glückselig, wer sie löst! Hast in einer einz'gen Stunde Hunderte mir eingeflößt.

3. Wie soll ich's bergen, wie soll ich's tragen, Was Du mir selber ins Herz gelegt? Kann es nicht hehlen und kann es nicht sagen, Was meine ganze Seele bewegt.

All meine Sinne und alle Gedanken, Unstät und flüchtig verlassen sie mich, Dich zu umwinden wie klimmende Ranken, Klammern sich fester und fester an Dich.

Immer Dich sehen möcht' ich und hören, Immer Dir schauen ins Angesicht, Könnt' ich mir nur Deinen Schatten beschwören! Lieberes zeigt ja die Sonne mir nicht.

4. Hab' ein Röslein dir gebrochen Frühlingsfrisch vom Strauch, Und geheim mit ihm gesprochen Hehl und Flüsterhauch.

Tief im Kelche ruht verschwiegen Gar ein schüchtern Wort, Hundert rote Blättlein biegen Sich um güldnen Hort.

Drück es leise an die Lippen, Wie ich auch getan, Darfst am taubenetzten nippen Und den Duft empfahn.

Mit des Herzens Gruß und Neigen Will ich von dir gehn, Rosen welken, Wünsche schweigen, Hoffe Wiedersehn!

5. Vor meinem Auge wird es klar, Je mehr es sich zum Lichte wendet, Und wenn ich scheu und schüchtern war, So war's Dein Glanz der mich geblendet.

Wie in des Maien reicher Blust Jedwede Knospe sich entfaltet, So wecktest Du mir in der Brust, Was nun mit meinen Tagen schaltet.

Es hat sich mir so rasch enthüllt, Als bracht's ein Augenblick zur Reife, Und ich bin so davon erfüllt, Daß ich nichts Andres mehr begreife.

Ich weiß nicht ob es Schönres giebt In Himmelsraum und Erdenweiten Mir ist, als hätt' ich Dich geliebt Vom Anbeginne aller Zeiten.

6. Ich möchte schweben über Tal und Hügel, Mit meiner Liebe Leid allein zu sein. Und nähmest du der Morgenröte Flügel, Ich holte dich mit meiner Sehnsucht ein.

Die Winde sausen, und die Wipfel rauschen, Und von den Zweigen klingt das alte Lied, Dem alle Herzen auf der Erde lauschen, Daß nie von Leide sich die Liebe schied.